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Ein psychologisches Verwirrspiel
Wilde Unschuld / Savage Grace stößt den Zuschauer in ein psychologisch komplexes Verwirrspiel. Schon die ersten 10 Minuten werden dem mysteriösen Titel gerecht und geben Einblick in eine vertrackte Zweier-Beziehung, die sich ganz unprätentiös offenbart: Barbara Daly (Juliane Moore) und Brooks Baekeland (Stephen Dillane) sind ein scheinbar tadelloses Paar. Aus der Oberschicht stammend, verkörpern sie die Upper-Class der amerikanischen Industrie-Elite mit all der mondänen und betont dekadenten Unbeschwertheit, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg in besser gestellten Kreisen gelebt wurde. Doch in den Dialogen zeigt sich der zurückhaltend-schroffe Umgang der beiden Lebenspartner, die sich listig umeinander winden, um sich spitzzüngig abzustoßen und zu verletzen. Es ist auch ein Schichten spezifisches Duell, das hier ausgetragen wird: Denn Barbara hat den Großerben Brooks geheiratet, ohne das Regelwerk seiner sozialen Herkunft bis ins Letzte zu begreifen: eine Schauspielerin, neureich in die Verhältnisse hineingeworfen, genießt die Vorzüge der finanziell abgesicherten Millionärswelt, ohne ihrem künstlerischen Habitus völlig abzuschwören. So richtet Barbara ihren ungeteilten Eifer nicht auf den verständnislosen Mann, sondern auf das wahre Objekt ihrer Begierde, den noch in Windeln liegenden Sohn Tony. Brooks scheint die bedenkliche Nähe zu spüren und verhält sich seinem Kind gegenüber kühl und distanziert, so als ob das freudsche Damokles-Schwert längst vom Rosshaar gerissen wäre und seine folgenschwere Entscheidung gefällt hätte.